Seitdem ich vor ein paar Wochen meine Abschlussbesprechung hatte, bereite ich
mich nun auf meinen längeren Aufenthalt in Brasilien vor. Zuerst werde ich mich um Gebetspartner für mich bemühen. Ich schreibe Kirchen/Gemeinden an und frage sie, ob sie für mich beten können.

Mir kam eine gute Idee: Anstatt einfach so Briefe an Kirchen/Gemeinden zu schicken würde ich gerne meine Freunde fragen, ob sie nicht einen Brief vorab an den Pastor oder eine Frauengruppe oder andere Gruppe innerhalb der Gemeinde schreiben könnten. Pastoren bekommen so viele Briefe von Missionaren und ich denke, dass sie anders auf einen Brief von jemanden reagieren, den sie kennen. Wie denkt ihr darüber? Möchtet ihr nicht einige einleitende Worte schreiben, den ich dann ergänze? Ich möchte nicht so viele Fakten über meine Arbeit, sondern vielmehr etwas „Enthusiastisches“, Begeisterndes, über mich als Person und meine Aufgabe für missbrauchte Kinder. Etwas, dass den Pastor nachdenklich werden lässt: 'Hier ist eine andere Art von Person mit einer anderen Art von Missionsauftrag, ich würde gerne mehr davon hören'.

In Brasilien habe ich viel Missbrauch und Vernachlässigung in der Gegend der Missionsstation gesehen. Wusstet ihr, dass es in einigen Regionen in Brasilien immer noch Tradition ist, dass der Vater der erste ist, der seine Tochter entjungfert, nachdem sie herangereift ist? Ich würde gerne eine Selbsthilfegruppe für Frauen und Mädchen gründen, denen solches passiert ist oder immer noch passiert. Ich würde ihnen gerne helfen, NEIN zu Missbrauch zu sagen, auch wenn es ihr eigener Vater oder Onkel oder Bruder ist.

Außerdem würde ich mich gerne mit gegenwärtigem oder in der Vergangenheit passiertem Missbrauch beschäftigen. Mit einer Selbsthilfegruppe möchte ich einen sicheren Raum für Frauen/Teenager schaffen damit sie ueber ihre Erfahrungen und ihren Verlust sprechen koennen (z. B. Verlust von Kindheit, Sicherheit, Freude, Spontaneität, Unschuld, Schutz, Würde, Glauben, Vertrauen, Selbstbestimmung…die Liste ist endlos!!)

Anstatt die „Harte“ zu spielen und „moralisch bedenkenlos“ zu werden, müssen sie lernen, wie sie ihre verlorene Kindheit betrauern koennen und neu anfangen können zu vertrauen: dem Vater Gott und anderen vertrauenswürdigen Personen.

Weil ich viele dieser Erfahrungen selbst auch gemacht habe, kann ich diese Frauen und Mädchen verstehen, aber ich bin (noch?) kein qualifizierter Berater. Ich bin gerade erst dabei, mir Wissen darüber anzueignen, wie ich ihnen helfen kann.Vor 2 Wochen hab ich deshalb ein Beratungsseminar hier am College mit Jan Frank besucht, die auch das Buch „Door of Hope“ geschrieben hat und letzte Woche hab ich einen Kurs im Theologischen Seminar belegt, der hieß „Dynamik des Missbrauchs“. Außerdem halte ich immer nach gebrauchten Büchern Ausschau, damit ich mich fortbilden kann.

Ich muss lernen: Warnsignale zu erkennen, Missbrauch aufzudecken, zuhören, Hoffnung spenden, mich in die Missbrauchten hineinversetzen, ihnen zu helfen, ihren seelischen Schmerz zu bewältigen aber sie nicht zu bedrängen, ihnen zu helfen, ihre Gefühle die sie früher hatten mit denen von heute zu erfahren/vergleichen; wann reden wir über Vergebung, wie muss ich mit dem jeweiligen Fall umgehen, was ist für den jeweiligen Missbrauchten von Bedeutung, wie kann ich diesen Kreis des Missbrauchs durchbrechen.

Ich frage mich manchmal, ob ich mir nicht zuviel vorgenommen habe, aber es ist mir ein großes Anliegen und meine Aufgabe!

Außerdem würde ich gerne weiter an dem Sponsorship-Programm in Brasilien mitarbeiten (30 $/Monat-Sponsoren, die Kindern damit eine gute Schulbildung ermöglichen). Übrigens brauchen wir noch ein paar Sponsoren für ein paar Kinder. Ich würde außerdem gerne aufgrund meines Bibelschultrainings anfangen, Bibelkurse zu unterrichten – ich hab schon angefangen, hier und da Material zum Bibelstudium zu sammeln.

Gott segne euch, liebe Freunde! Während meiner Vorbereitungsphase betet bitte für mich, dass ich
mich total von Gott abhängig mache und
mich nicht durch Geldfragen ablenken lasse.